Nada Brahma
Die Welt ist Klang

Joachim-Ernst Berendt

Rovolt Verlag


S. 19
Wir brauchen Wissenschaftler, aber wir brauchen sie nicht anders, als wir Klempner und Tischler brauchen. Was darüber ist, das ist vom Übel, denn wir haben begriffen: Wissenschaft kann auch gefährden. Sie darf nicht mehr die bestimmende Kraft unseres Lebens sein.

S. 29
Zen-Meister sagen: Das Fragen ist der Weg.

S. 30/31
Das Böse und das Gute bilden die – oder zumindest eine ganz wichtige – Ur-Polarität. Das also ist der nächste Schritt: Polaritäten sind unwichtig. Es gibt sie nur scheinbar. Du hältst dich mit Unwichtigem auf, wenn du all den Spannungen, in die wir geraten sind, gar zu viel Bedeutung zumißt.

S. 40
Weil die Vokale kosmischen Bezug haben, entsprechend sie den Planeten: Das A dem Jupiter, das I dem Mars, das O der Venus, das U dem Saturn und das E dem Merkur, - will sagen: Zwischen den Schwingungs- verhältnissen der Vokale und denen der Planeten besteht ein Zusammenhang.

S. 49
Mantras und Wazifas sind Symbole des Ur-Klags. Wenn nämlich die Welt Klang ist und wenn dieser Klang, der die Welt ist, uns sterblichen Menschen rational letztlich unerreichbar ist, dann brauchen wir Spiegelungen, Symbole, Gleichnisse. Auch deshalb, um uns verständlich machen zu können. Uns selbst und anderen gegenüber.

S. 51
Der Name – wie werden davon sprechen – hat magische Kraft. Nicht zuletzt deshalb ist nam eine Ur-Silbe; es gibt sie auf der ganzen Erde – bis hin zum namu des Amida Buddha in Japan.

S. 53
Eindrucksvoll weist Heinrich Zimmer auf die Bruchlosigkeit des Übergangs vom Laut zum Mantra und vom Mantra zum Zauberwort und zur Kraft großer Dichtung hin.

S. 54
Mantras bestehen aus Schwingungen. Unsere Nerven, Ganglien, Zellen schwingen ebenfalls, was notwendigerweise – so fordert es das Resonanzgesetz – bedeutet: wir reagieren auf Schwingungen – und zwar, wie man heute weiß, auf die allerfeinsten und allerschwächsten, sogar auf solche, die noch vor wenigen Jahren nicht meßbar waren – etwa die Gehirn- wellen -, deshalb logischerweise auch auf solchbe, die vielleicht erst in der Zukunft meßbar sein werden.

S. 54
Das gehört zum Absurdesten am Gehabe der abendländischen Wissenschaft: daß sie sich ununterbrochen, jahrhundertelang, alle 20 oder 30 Jahre wieder neu in dem Bewußtsein spreizt, sie hätte den Endpunkt wissenschaftlicher Erkenntnis erreicht, und aus diesem Bewußtsein – das ein Bewußtsein des Hochmutes ist – ihre Erkenntnisse an Schüler und Nachfolger und an ihre Umwelt vermittelt.

S. 56
Das ist Negativ-Seite jener Bewußtseinsänderung, von der in diesem Buch die Rede ist. Was nicht mit-verändert wird, nicht – im Sinne eines be wußten, mit Anstrengung verbundenen Aktes – "mit-genommen" wird, was immer nur im Schlendrian einer bequem gewordenen Überlieferung weitergeschleppt wird, das wird uns verloren gehen.

S. 56 Es gibt keine rationalere Methode, die Grenzen der Rationalität zu erkennen und – was wichtiger ist – selbst zu erfahren als die Arbeit an einem Koan.

S. 62
Ein Lieblingssymbol des Zen ist der Kreis. (W.B.: Besser wäre wohl eine offene Spirale oder anderes mehr, um das Aufsteigen zu symbolisieren).

S. 63
Kampf gehört zur Idee der Aristotelitis. Der Kreis rundet einander Wider- sprechendes, gleicht Gegensätze aus und umschließt sie.

S. 65 "Die Quantenmechanik ist das Zen-Kona unserer Zeit."

S. 69
"Wörter", so die amerikanische Sinologin Sukie Colegrave, "haben in der Erkenntnis von Konfuzius eine wahre Bedeutung, die bestimmte absolute Wahrheiten des Universums widerspiegelt.

S. 74
Aber über eine der größten Entdeckungen unserer Generation spricht kaum jemand: das sich uns nämlich die Welt in einer eben noch unvorstellbaren Weise als Klang darstellt.

S. 74
Es rauscht nicht nur im Weltall, es tickt und trommelt, es summt und knattert.

S. 75
Ein Mensch von etwa 170 cm Größe, so hat Isaac Asimov errechnet, wöge an der Oberfläche eines Pulsars rund 113 Milliarden Tonnen.

S. 77
Pythagoras und Ptolemäus haben Beziehungen geahnt, die zwischen den Umlaufbahnen der Planeten und den Klangverhältnissen bestehen, die es auf einer gespannten Saite gibt – dem sogenannten Monochord.

S. 77 Gott wurde zum kosmischen Tonmeister.

S. 79
... die Oktave, das Verhältnis 1 : 2, einer Proportion, die seit je auch benutzt wird, um die Polarität der Welt zu bezeichnen: Yang und Yin, männlich und weiblich, himmlisch und irdisch etc. Diese "Ur-Polatität" ist also gleichsam "an den Himmel geschrieben".

S. 80
Der Begriff der Sphärenharmonie ist so alt wie die Bewußwerdung des Menschen.

S. 83
Das Horoskop eines Menschen – oder eines Ereignisses – ist also letztlich ein System aus Akkorden und Klängen.

S. 83
Thomas Michael Schmidt: " ... Den akustischen Verhältnissen ist deshalb ein universaler Charakter zu eigen. Als Ordnungsprinzipien gestalten sie sowohl die Planetenwelt, den Makrokosmos, als auch die menschlich- irdische Musik ... So offenbart sich durch die universale Geltung der Ton- verhältnisse ein umfassender kosmischer Zusammenhang ..."

S. 84/85
Auf diese Weise umfaßt der Tonbereich der sechs sichtbaren Planeten, einschließlich der Erde, acht Oktaven, deckt sich also fast mit dem Normalumfang des menschlichen Hörvermögens.

S. 94/95
Wir können danach den oben zitierten Satz von Oscar Ichazo variieren – und präzisieren: Die Liebe ist das Wiedererkennen der gleichen spin-Zustände, will sagen: gleicher harmonikaler Verhältnisse, gleicher Schwingungen, - letztlich: gleicher Harmonien – weshalb ja auch die Umgangssprache von "harmonischen" Verhältnissen zwischen Liebenden spricht. Die Liebe also als Akkord.

S. 96
Dieses Licht aber, das Pooton, läßt sich leichter als Geist und Gedanke denn als Materie oder Energie bestimmen. Im Anfang also – auch das bestätigt die moderne Physik – war der Geist, der Logos. (Und gerade an dieser Stelle sollte daran erinnert werden, daß das Wort im Griechischen auch "Proportion" bdeutet!)

S. 101
(Zum Getreudehalm): Es ist eine Sinfonie von Klängen, die da wogt ... Es ist der Gesang des Lebens schlechthin.

S. 109
Immer häufiger werden präzise mathematische Entsprechungen entdeckt – etwa zwischen der Barockkirche von Vierzehnheiligen und gewissen Stücken in Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier.

S. 115
Und Kandinsky, der große Maler des Expressionsiumus, der im "Almanach des Blauen Reiter" einen Generalbaß" und eine "Harmonmielehre der Malerei" entworfen hat, bemerkt: "Die Welt klingt. Sie ist ein Kosmos der geistig wirkenden Wesen."

S. 116
Überall ist es der Ton, der die Welt ordnet und der ihr Schönheit gibt. Von seiner Kraft und Mächtigkeit sind auch die "Partikel" des Kosmos, sind auch Planeten und Sterne nur Staubpartikelchen, die der Klang "ruft". Wozu ruft er sie? Wir haben erkannt: zu Ordnung und Struktur und Schönheit.

S. 119
Offensichtlich gibt es das Aufeinanderbezogensein von Raum und Zeit auch in den kleineren Dimensionen unserer Erde; nur wird es da nicht bemerkt. Eine einfache Überlegung macht deutlich, je länger eine Saite, je größer also das räumliche Moment, desto tiefer der Ton, desto langsamer folglich die Schwingungen, will sagen: desto niedriger das zeitliche Moment.

S. 179
Wir sollten aber erkennen – das würde zu unserer Bescheidenheit beitragen -, daß die Evolution keinen Grund gehabt hat, uns Sinne zu schaffen, mit denen wir die Wirklichkeit als solche erkennen können. Die Evolution hat immer nur ein Ziel: Das Überleben!



© Prof. Dr. Beck 1987


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